Die Region des historischen Dersim liegt im mittleren Osten der heutigen Türkei. Sie umfasst eine geographische Fläche von ca. 7.800km² und ist bekannt für ihre einzigartige Flora und Fauna. Besonders bedeutsam für die Dersim-Region sind der Berg Munzur und der gleichnamige Fluss.
Im Jahre 1935 wurde die Provinz zwar in “Tunceli” umbenannt, ihr ursprünglicher Name ist jedoch bis heute gebräuchlicher. Dersim wurde vor allem durch die Gräueltaten von 1937/38 geprägt. Man spricht hierbei auch vom Dersim-Genozid, welcher bei den Dersimern tiefe und unvergessliche Spuren hinterließ.
Im Rahmen der Erreichung der Türkisierung wurde im Jahr 1932 ein neues Gesetz verabschiedet, welches die Umsiedlung der Bevölkerung Dersims veranlasste. Damit sollten die Modernisierungs- und Einheitsbestrebungen der türkischen Regierung vorangetrieben werden. Dies hatte jedoch schwere Aufstände und Auseinandersetzungen zur Folge, bei denen rund 10% der damaligen Bevölkerung ermordert worden sein sollen. Dörfer wurden zerstört, Familien auseinandergerissen und unzählige Kinder verloren ihre Eltern. In den Jahren 1937 und 1938 erreichte der Völkermord durch die türkische Armee ihren traurigen Höhepunkt. Zehntausende Menschen wurden getötet und noch mehr aus ihrer Heimat vertrieben.
Von 1938 bis 1946 war Dersim größtenteils Sperrgebiet und die Einreise in die Region wurde verboten. Die Zwangsumsiedlung der Bevölkerung fand noch bis 1948 statt.
Heute bedrohen militärische Auseinandersetzungen, der Bau von Staudämmen und Goldabbauprojekte mit naturschädigenden Methoden die Dersim-Region und ihre Bewohner. Das hat zur Folge, dass die einheimische Bevölkerung durch Auswanderung immer mehr zurückgeht. Mittlerweile gehört die Region zu den bevölkerungsärmsten Provinzen der Türkei und führt die Liste der Städte mit dem prozuentual höchsten Bevölkerungsverlust an.